Baubiologie
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Nur die Hälfte? Dafür doppelt so lang?

Immer diese Fachbegriffe:

Prebound – Effekt; Rebound – Effekt; Amortisationszeit; Austauschpflicht

Was steckt dahinter?

Die beiden Forscher Minna Sunikka-Blank und Ray Galvin aus Cambridge untersuchten 3400 Häuser in Deutschland. Dabei stellten sie fest, dass der rechnerisch ermittelte Energieverbrauch und der tatsächliche Energieverbrauch eines Gebäudes vor und nach einer energetischen Sanierung nicht übereinstimmen. 2 Effekte zeigten sich:

  1. Der energetische Verbrauch eines Bestands-Gebäudes wird durch die Software höher eingestuft, als er eigentlich ist. Diesen Effekt bezeichneten die Forscher als Prebound-Effekt.
  2. Der energetische Verbrauch eines Bestands-Gebäudes nach einer energetischen Sanierung wird durch die Software wird niedriger eingestuft, als er eigentlich ist. Diesen Effekt bezeichnen die Forscher als Rebound-Effekt.

Beispiel:

Ich überlege mir, ob ich mein altes Haus „energetisch ertüchtigen“ sollte. Die versprochenen Einsparungen,  sowie der ökologische Gewinn sind ja schon verlockend.

Nun tauchen da aber diese beiden eigenartigen Begriffe aus Cambridge auf.

Prebound – Effekt: Mein Haus ist tatsächlich gar nicht so schlecht, wie das EnEV-Programm behauptet —–> ca. 30% besser.

Rebound – Effekt: Mein Haus wird nach der „energetischen Ertüchtigung“ nicht so gut sein, wie das EnEV-Programm behauptet —–> ca. 20% schlechter.

Aufsummiert bedeutet das, dass meine tatsächliche Energieeinsparung bei etwa 50% der errechneten Einsparung liegen wird.


Die Amortisationszeit ist der Zeitraum, innerhalb dessen die Kosten einer energetischen Sanierung durch die Einsparung von Energiekosten ausgeglichen ist.

Mitte Januar konnte man in den Deutschen Wirtschaftsnachrichten lesen, dass die Amortisationszeit, für „energetischer Ertüchtigungsmaßnahmen“ doch etwas höher ist, als man bisher offiziell darstellte.

Der EU-Rechnungshof kommt zu dem Ergebnis, dass es durchschnittlich 50 Jahre dauern werde, bis sich diese Investitionen gelohnt haben.


In der Zeitschrift Energie-Fachberater.de konnte man vergangenes Jahr lesen:

Nach der neuen Energieeinsparverordnung 2014 gilt die Austauschpflicht schon für alte Heizkessel, die bis Ende 1984 eingebaut wurden. Sie dürfen ab 2015 nicht mehr betrieben werden. Heizungen, die 1985 oder später eingebaut wurden, müssen spätestens nach 30 Jahren erneuert werden.


Diese 3 Fakten bringen mich schon zum Nachdenken.

  • Einsparung nur ca. 50% des errechneten Wertes
  • Amortisationszeit 50 Jahre oder vielleicht sogar mehr
  • Austauschpflicht für Kessel nach 30 Jahren

 

Aber es treten noch mehr Fragen auf:

Wie lange hält die Fassadendämmung? Ist sie umweltfreundlich?

Wie lange halten die neuen Fenster? Ah, endlich dichte Fenster! Kein Zug mehr. Doch wo bekomme ich jetzt meine Frischluft her – bei einer geforderten Luftwechselrate von 0,5/h oder mehr? Soll ich die Dichtungen aufschneiden oder doch lieber ein Lüftungskonzept entwickeln und eine entsprechende Anlage einbauen lassen. Wieviel Energie verbraucht die?

Fragen über Fragen!

Die Antworten? – die muss man sich selber geben.

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