Geschichte und Gegenwart, Hausgeschichten
Schreibe einen Kommentar

330 Schock Groschen für den Schwerdahof

In meinem Blog „Der Schwerdahof – ein altes böhmisches Mittelgebirgshaus“ schrieb ich:

„Georg Schwarda kaufte im 30-jährigen Krieg das vermutlich verlassene Gehöft von der Obrigkeit ab. Der Kaufpreis betrug damals 330 Schock Groschen. Georg übergab den Hof 1652 an seinen Sohn Jacob.“

 Was oder wie viel ist 1 Schock?

Gibt man den Begriff in eine Suchmaschine ein, dann kommen Begriffserklärungen, wie z.B.

„eine seelische Erschütterung, die durch ein plötzliches und unangenehmes Ereignis ausgelöst wird“

Erweitert man die Suche um den Begriff „Maßeinheit“, erfährt man auf etlichen Seiten, dass Schock 5 Dutzend, also 60 bedeutet.

330 Schock Groschen sind demnach 19800 Groschen.

Auf der Münze steht unten die Zahl 3. 3 Kreuzer, das ist ein Groschen.

1929 wurde der Groschen unter der Regierung von Ferdinand III., aus dem Haus Habsburg, geprägt.

Ferdinand III. wurde

  • 1625 König von Ungarn
  • 1627 König von Böhmen
  • 1636 Römisch deutscher König
  • 1637 Römisch deutscher Kaiser
  • 1657 beerdigt

In seine Regierungszeit fällt der Kauf oder die Übernahme des Hofes. Der abgebildete Groschen entspricht der damals in der Gegend üblichen Währung.

Unter dem Betrag 19800 Groschen konnte ich mir nichts vorstellen. Also: „googeln“

Wie vergleicht man Groschen aus dem 30-jährigen Krieg mit Euro. Dass jeder Vergleich stark hinkt war mir von vorne herein klar, aber versuchen kann man es doch. Im Internet fand ich eine interessante Seite (leider habe ich den Link nicht mehr), auf der dargestellt wurde, dass ein relativ guter Umrechnungsfaktor der Preis für 1 kg Rindfleisch ist.

Groschen – Rindfleisch – Euro

Bei Abnahme von 1/2 Rind bezahlte man damals etwas mehr als 1 Groschen für das kg Rindfleisch. Heute liegt der vergleichbare Preis  bei etwa 6 € für ein kg Rindfleisch. Wenn man dies nun umrechnet, kostete der Schwerdahof etwa 110.000 €.

110.000 € für den Schwerdahof? Ein stattlicher Preis für einen Hof in einer zerstörten Gegend.

In dem Buch Leitmeritz und das Böhmische Mittelgebirge wird die Entwicklung der Gegend während des 30-jährigen Krieges wie folgt beschrieben (Auszüge):

13.12.1633: In den Dörfern waren nur noch je 1 bis 2 Höfe übrig. (Noch 1635 hielten sich viele Bauern in den Wäldern auf.) In den Dörfern, die der Stadt gehörten, gab es nur noch 13 ansässige Bauern in 11 Häusern!

19.03.1640: Auf den städtischen Dörfern leben nur noch 8 Untertanen.

01.10.1649: In allen Stadt-Dörfern gab es nur noch einen untertänigen Bauern.

Hlinay gehörte ab 1630 zum größten Teil nicht mehr der Stadt Leitmeritz, sondern den Jesuiten in Liebeschitz. Dennoch zeigt die Entwicklung, dass zum Ende des 30-jährigen Krieges die Dörfer der Umgebung zerstört waren und die Bauern ihre Höfe nicht mehr bewirtschafteten.

„Der Dreißigjährige Krieg brachte häufig wechselnde Besatzungen – u. a. schwedische und sächsische –, die alle mit Verheerungen einhergingen. Stadt und Umgebung erlitten dramatische Bevölkerungsverluste.“

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.