Autor: bherschber

Unsere Eltern und Großeltern waren in Lagern untergebracht

Vieles hört und ließt man über Flüchtlingslager. Oft klingt es nicht gut. Lager sind keine Erfindung der Gegenwart, sondern es gab sie zu allen Zeiten. Lager, in denen Menschen untergebracht waren, die aus ihrer Heimat vertrieben wurden, bzw. dort flüchten mussten, weil sie sonst aus ethnischen Gründen umgebracht worden wären. Am Ende des letzten Krieges kamen Millionen von Flüchtlingen aus dem Osten Europas. Deutsche, die wegen ihrer Nationalität ihre Heimat verlassen mussten und in Deutschland erstmal in Lagern leben mussten. Eines dieser Lager, in dem Donauschwaben – hauptsächlich Menschen aus Tscherwenka – untergebracht waren, war Das Impler-Lager in München (1944 – 1955) Es entstand im Jahre 1944 auf städtischem Grund an der Implerstraße aus einem vorhande­nen Barackenlager, das ausgebaut und erweitert wurde auf eine Aufnahmekapazität von ca. 400 Personen. Davon waren etwa 85% Tscherwenkaer. Man schätzt, dass bis zu dessen Auflösung im Jahre 1955 rund 800 Tscherwenkaer das Lager passiert haben. Die Verwaltung lag in Händen des städtischen Flüchtlingsamtes, die Leitung hatte der städtische Ange­stellte Herr Schießl, und Lagerobmann war unser Tscherwenkaer Landsmann Daniel Walter. …

„Die Kinder von heute sind Tyrannen. Sie widersprechen ihren Eltern, kleckern mit dem Essen und ärgern ihre Lehrer“

Dieser Spruch ist nicht ganz neu. Er ist von Sokrates, der 470-399 v. Chr. lebte, also fast 2500 Jahre alt. Noch älter ist der Spruch auf einer Tontafel der alten Sumerer geschrieben etwa 3000 v. Chr.: Die Jugend achtet das Alter nicht mehr, zeigt bewusst ein ungepflegtes Aussehen, sinnt auf Umsturz, zeigt keine Lernbereitschaft und ist ablehnend gegen übernommene Werte. Es scheint ganz normal zu sein, dass seit Menschengedenken Differenzen zwischen der alten und der jungen Generation bestehen. Oft entsteht dabei nicht nur ein Spruch, sondern fast so etwas wie eine Klageschrift. Visitation der Apatiner Pfarrkirche 1766 (Auszug) Als Beispiel möchte ich einen Auszug aus der Visitation der Apatiner Pfarrkirche, vom 10. Juli 1766 hier abdrucken. Der Pfarrer und natürlich auch große Teile der Bevölkerung hatten große Schwierigkeiten mit dem Verhalten der Jugendlichen, bis endlich der Pfarrer eine Eingabe an den Erzbischof schrieb: …In Übereinstimmung mit obigem (Erzbischof) hat der Pfarrer es als seine vordringlichste Aufgabe erachtet, das ihm anvertraute Volk durch häufig wiederholte Ermahnungen darauf hinzuweisen, seine Feste würdiger, als dies bisher geschehen war, zu begehen. Zum …

330 Schock Groschen für den Schwerdahof

In meinem Blog „Der Schwerdahof – ein altes böhmisches Mittelgebirgshaus“ schrieb ich: „Georg Schwarda kaufte im 30-jährigen Krieg das vermutlich verlassene Gehöft von der Obrigkeit ab. Der Kaufpreis betrug damals 330 Schock Groschen. Georg übergab den Hof 1652 an seinen Sohn Jacob.“  Was oder wie viel ist 1 Schock? Gibt man den Begriff in eine Suchmaschine ein, dann kommen Begriffserklärungen, wie z.B. „eine seelische Erschütterung, die durch ein plötzliches und unangenehmes Ereignis ausgelöst wird“ Erweitert man die Suche um den Begriff „Maßeinheit“, erfährt man auf etlichen Seiten, dass Schock 5 Dutzend, also 60 bedeutet. 330 Schock Groschen sind demnach 19800 Groschen. Auf der Münze steht unten die Zahl 3. 3 Kreuzer, das ist ein Groschen. 1929 wurde der Groschen unter der Regierung von Ferdinand III., aus dem Haus Habsburg, geprägt. Ferdinand III. wurde 1625 König von Ungarn 1627 König von Böhmen 1636 Römisch deutscher König 1637 Römisch deutscher Kaiser 1657 beerdigt In seine Regierungszeit fällt der Kauf oder die Übernahme des Hofes. Der abgebildete Groschen entspricht der damals in der Gegend üblichen Währung. Unter dem Betrag 19800 Groschen …

Kirchengeländer von Gottfried Preussger

Ein sächsisch-böhmisches Handwerksgenie in Schönlinde

Wie wird ein Handwerksmeister posthum zu einer überregionalen Berühmtheit? Die Antwort ist einfach – er hat zu Lebzeiten Besonderes geleistet. Dies reicht normalerweise nicht dazu, dass er dann auch noch in einem Geschichtsbuch verewigt wird. Dazu braucht es dann noch ein paar andere Zutaten: Gottfried Preußger, ein Schlossermeister wie er im Geschichtsbuch steht. Ihm wurde ein kleines Kapitel in einem Geschichtsbuch für Gymnasien gewidmet. Ein grenzüberschreitendes Projekt, durchgeführt von den beiden Universitäten Univerzita Jana Evangelisty PURKYNÉ (UJEP) in Usti nad Labem und der Technische Universität Dresden. Zielsetzung: Ausgehend von der Überzeugung, dass Kenntnisse über die gemeinsame Geschichte von Sachsen und Böhmen notwendig sind und immer neu vermittelt werden müssen, um das Verständnis von und zwischen den beiden Ländern zu verbessern, werden Wissenschaftler der TU Dresden und der Universität Jana Evangelisty PURKYNÉ gemeinsam Geschichtsbücher für Schulen erarbeiten, die als zusätzliches Lehrmaterial in Sachsen und Böhmen Verwendung finden sollen. Zur Zeit wird das Geschichtsbuch auf seine didaktische Brauchbarkeit geprüft. Es wurde an 8 Gymnasien in Sachsen und Böhmen testweise eingeführt. Gottfried Preußger wird im Buch als Beispiel dafür angeführt, …

Masanobu Fukuoka

Masanubo Fukuokas Happy Hill in Oberfranken – ein Versuch

Die Reissorte Happy Hill ist eine besondere Züchtung aus dem üblichen Reis und wildem Reis. Sie soll den Anbau erleichtern, da sie sehr widerstandsfähig und robust ist und sehr gut wächst. Sie soll auch gut in Kübeln, auf dem Balkon oder im Garten wachsen. Kenji Hayashi (von ihm ist auch ein Teil dieses Textes) kam über Umwege an die Reiskörner Happy Hill. Sie stammen von der Familie Fukuoka. Fukuoka Masanobu, * 2. Februar 1913; † 16. August 2008, war zunächst Mikrobiologe und wurde dann Bauer. Seine Bücher sind Standardwerke in der Permakultur. Die Art seiner Landwirtschaftsmethode bezeichnet er selbst als „Nichts-Tun-Landwirtschaft“ nach dem daoistischen Wu-wei-Prinzip. Die biologische Anbauweise von Masanobu Fukuoka unterscheidet sich teilweise von dem hier üblichen Bio-Anbau. Der Boden wird nicht bearbeitet (kein Umgraben oder Pflügen) Es werden keine Insekten- und Unkrautvernichter angewandt. Es wird kein Dünger verwendet, auch kein Kompost. Das Unkraut wird stehen gelassen – nicht gejätet. Dass das funktioniert hat Fukuoka schon auf seinen Feldern bewiesen. Um auszuprobieren, ob die Pflanzen tatsächlich in unseren Breitengraden wachsen, erhielten wir von Kenji 9 …

Aus der Vergangenheit – in die Zukunft – für den Frieden

Aus der Vergangenheit – in die Zukunft – für den Frieden 70 Jahre nach dem Krieg beginnt die Kultur der Donauschwaben zu verblassen. Die Erlebnisgenerationen verschwindet nach und nach. Die Nachkriegsgenerationen sind in Deutschland, Österreich, USA, Australien oder auch woanders aufgewachsen und wissen nur wenig über die Lebensweise ihrer Eltern, Großeltern und die Region in der die Vorfahren lebten. Ein wichtiges und ehrgeiziges Projekt wird in Apatin, einer ehemals donauschwäbischen Stadt in der Wojwodina/Serbien realisiert. Von deutschen Handwerkern und Künstlern hergestellte Kultur- und Kunstgegenstände aus der ganzen Wojwodina werden in Apatin gesammelt und ausgestellt. Zu diesem Zweck wurde am 23.07.2014 in Apatin das Donauschwäbisches Kirchenmuseum – Podunavsko Nemački crkveni muzej Apatin eröffnet. Als Gebäude dafür dient die Untere Kirche, die Herz-Jesu-Kirche in Apatin. Die Herz-Jesu-Kirche wurde am 23. Juni 1933 eingeweiht. Sie wurde gebaut, weil die Gemeinde in Apatin so groß wurde, dass ein zweites Gotteshaus erforderlich war. Nach 1945 wurde die Kirche nicht mehr genutzt und drohte, wie so viele Kirchen in der Batschka nach und nach zu verfallen. Boris Masic ein Apatiner, der die Erinnerung …

Jaap van de Weg

Gesundheit und Krankheit – eine andere Betrachtung

Gesundheit ist gut – Krankheit ist schlecht? Im Allgemeinen wird das wohl so betrachtet. Jaap van de Weg stellt in seinem Buch Welten und Wesen eine andere Version dar. Das Körperelementarwesen erzählt „Du wirst jetzt vielleicht auch besser verstehen, was die tiefere Ursache verschiedener Krankheiten ist. Sie liegen in einer viel ferneren Vergangenheit, als es für dich jetzt sichtbar ist, nämlich in einem früheren Leben oder noch weiter zurück. Dort sind die Dinge geschehen – oder besser gesagt: Dort hat die Individualität Dinge durchgemacht, die ihre Seele beeinträchtigt haben, und die Spuren davon hat sie uns eingeprägt. Das trage ich also weiter. Wenn sie im jetzigen Leben nicht darauf zurückkommt, um es auszugleichen, tragen wir es weiter in ein nächstes Leben. Man kann das in etwa wie eine Art dunklen Fleck beschreiben. Diese dunklen Flecken hängen mit den Verführungen zusammen, die die Individualität erlebt hat und denen sie nachgab. Haben diese damals tiefgreifend weitergewirkt, so haben sie sich auch stark in uns eingeprägt. Siehst du es vor dir, wie wir nach ihrem Tod aussehen? Wir sind übersät mit Prellungen …

Der Schwerdahof – ein altes böhmisches Mittelgebirgshaus

Der Heimatforscher Julius Lippert beschreibt den Schwerdahof 1898 mit wenigen Worten in seinem Heft:  „Das alte Mittelgebirgshaus in Böhmen und sein Bautypus“ Lippert wohnte zuletzt in Kundratitz, dem Nachbardorf von Hlinay. Über den Schwerdahof schrieb er: „Wenn wir dagegen auch nicht wissen, ob nicht gerade ein slawischer Bauer ein Haus gebaut hat, wie es in Fig. 11 in hoher Vollendung darstellt, so spricht doch dieses Haus selbst dafür, dass es nur auf einem „eingekauften“, d.h. auf einem solchen Bauerngrunde aufgeführt wurde der … dem Bauern … gehörte. Ein Bauer der so baute, musste sicher sein, dass er nicht von seiner Herrschaft stündlich von seinem Grunde abgerufen werden konnte.“ Lippert wusste wohl zu seiner Zeit nicht, wie die rechtlichen Verhältnisse waren. Georg Schwarda kaufte im 30-jährigen Krieg das vermutlich verlassene Gehöft von der Obrigkeit ab. Der Kaufpreis betrug damals 330 Schock Groschen. Georg übergab den Hof 1652 an seinen Sohn Jacob. Weiter schrieb Lippert: „Betrachten wir dasselbe Haus noch von seiner Giebelseite (Fig. 13), so gibt es gewiss ein ebenso günstiges Zeugnis für den feineren Formensinn unserer Vorfahren, wie die …

Alte Bilder können Geschichten erzählen

Ein nettes altes Bild. 6 cm x 9 cm Ich fand es in einer Fotoschachtel meiner Großmutter, die in einem Schrank meiner Mutter lag. Beide sind schon vor vielen vielen Jahren gestorben. Unter diesen Bildern sind sehr viele Fotos mit Menschen, die mir leider nicht bekannt sind. Es gibt auch niemanden sonst mehr, den man fragen könnte, wer denn auf diesen Bildern zu sehen ist. So ziemlich jeder kennt dieses Problem. Eine oder mehrere Kisten voll Bilder und keiner weiß, wer drauf ist. Die Rückseite sieht dann manchmal so aus, wie auf meinem Foto: Die Beschriftung, sehr verblasst und nur mit einem Vergrößerungsglas erkennbar: 1 Mann 2 Buben 1 Mädchen Kleberreste zeigen, dass das Foto wohl mal in einem Album klebte und somit für jemand wichtig war. Einen Wert für die Nachfolgegenerationen stellen Fotos nur dann dar, wenn klar ist, wer oder was darauf dargestellt ist. Deshalb sollten Fotos, die einem wichtig erscheinen, ausführlich beschriftet werden, am Besten in einem Album. Im Lauf der Generationen verteilt sich die Nachkommenschaft und häufig nimmt man sich nicht die Zeit, …

Nur die Hälfte? Dafür doppelt so lang?

Immer diese Fachbegriffe: Prebound – Effekt; Rebound – Effekt; Amortisationszeit; Austauschpflicht Was steckt dahinter? Die beiden Forscher Minna Sunikka-Blank und Ray Galvin aus Cambridge untersuchten 3400 Häuser in Deutschland. Dabei stellten sie fest, dass der rechnerisch ermittelte Energieverbrauch und der tatsächliche Energieverbrauch eines Gebäudes vor und nach einer energetischen Sanierung nicht übereinstimmen. 2 Effekte zeigten sich: Der energetische Verbrauch eines Bestands-Gebäudes wird durch die Software höher eingestuft, als er eigentlich ist. Diesen Effekt bezeichneten die Forscher als Prebound-Effekt. Der energetische Verbrauch eines Bestands-Gebäudes nach einer energetischen Sanierung wird durch die Software wird niedriger eingestuft, als er eigentlich ist. Diesen Effekt bezeichnen die Forscher als Rebound-Effekt. Beispiel: Ich überlege mir, ob ich mein altes Haus „energetisch ertüchtigen“ sollte. Die versprochenen Einsparungen,  sowie der ökologische Gewinn sind ja schon verlockend. Nun tauchen da aber diese beiden eigenartigen Begriffe aus Cambridge auf. Prebound – Effekt: Mein Haus ist tatsächlich gar nicht so schlecht, wie das EnEV-Programm behauptet —–> ca. 30% besser. Rebound – Effekt: Mein Haus wird nach der „energetischen Ertüchtigung“ nicht so gut sein, wie das EnEV-Programm behauptet —–> ca. 20% …

Männerbild – eine „gute“ Beschreibung

Hin und wieder muss ich in alten Kisten kramen. Da tauchen dann Bilder auf, die man noch gar nicht, oder schon sehr lange nicht mehr gesehen hat. Eines dieser Bilder sieht so aus wie oben Auf der Rückseite steht – Männerbild – hmm, besser kann man das Bild eigentlich gar nicht beschreiben. Leider ist die dargestellte Generation bereits längere Zeit verstorben, auch die Generation der Kinder lebt schon zum großen Teil nicht mehr. Sollte jemand zufällig einen der Männer erkennen, freue ich mich über eine entsprechende Info. Das Bild wurde vermutlich vor dem 2. WK in Tscherwenka aufgenommen.

Magnetfelder im Unterleib?

In unserer Gesellschaft haben viele Menschen eine sitzende Tätigkeit. Üblicherweise sind das so um die 8 Stunden am Tag. Dazu kommt die Zeit vor dem Fernseher, beim Essen usw. Die Qualität eines Sitzmöbels kann man aus ganz unterschiedlichen Blickwinkel betrachten. Hier aus baubiologischer Sicht. Metallteile an Möbeln sind häufig magnetisch und sorgen für magnetische Felder, die sehr kräftig sein können.  Die folgenden drei Diagramme zeigen jeweils das magnetische Feld über der Sitzfläche eines Stuhles. Die Skalierung der vertikalen Achse ist bei allen drei Stühlen gleich gewählt. Die vorhanden magnetischen Felder aus der Umgebung wurden herausgerechnet. Der erste Stuhl ist ein Holzstuhl ohne Metallverbinder. Der zweite Stuhl ist eine Stehhilfe, die als ergonomisch gutes Beispiel gilt und mittig eine federbetriebene Höhenverstellung aus Metall hat.   Der dritte Stuhl ist ein einfacher Bürostuhl, ebenfalls höhenverstellbar und mit Metallrohr-Armlehnen.   Die magnetischen Felder sind beim mittleren Stuhl bis über den Brustkorb hinaus messbar, beim rechten Stuhl mehr als 1,50 m hoch über die Sitzfläche hinaus. Viele der modernen Schreibtischstühle, und -sessel sind in ähnlicher Art und Weise aufgebaut. Könnte da ein Zusammenhang sein zwischen Unterleibsbeschwerden …

Mauern aus Lehm – der Kalk hält sie zusammen

Beim Stöbern fand ich ein kleines Büchlein von 1954. Ein Gedicht davon gefiel mir besonders gut: Mein Elternhaus Die Mauern war’n gestampft aus Lehm und Erde, die Decke war mit Balken ausgelegt, das Dach aus Rohr — ein Feuer überm Herde, das von der Mutter sorgsam ward umhegt. So ist es schon vom Urahn hergekommen und blieb auch stehn, wie es vor Zeiten war. Im Frühjahr kamen Wasser hergeschwommen und brachten oft es, oft es in Gefahr. Doch es blieb stehn, gestützt von Mutters Händen; mit ihrer Sorge hielt sie ’s in Gewalt. Der Kalk saß faustdick schon auf allen Wänden und schien mir manchmal als sein einziger Halt. Wir Kinder zogen aus, doch von dem Dache stieg immer noch der silbergraue Rauch. Der Mutter Geist allein hielt treue Wache und alles blieb erhalten, wie es Brauch. Doch als der Krieg die Eltern fortgetrieben, da stand das Haus verlassen und allein; es war kein Sinn, kein Zweck ihm mehr geblieben, es fehlte Mutters Hand, es stürzte ein. Nun ist es noch ein wüster Trümmerhaufen, an …

Die besten Jahre – in der Gefangenschaft

DR DOONESCHWOB Wenn’s Schicksal ’n gschlage, hot koons ’n gheert klage. Er hot glei gwißt Bescheid, des vrplemprt ner Zeit. Mit Mut un mit Kraft, mr ehndr was schafft. So hot ‚r gedenkt, schiefes grad widr glenkt. Mit dr Händ repariert, mit Humor glei pariert. Unsr schwowischi Art, hot bis heint sich bewahrt. S henn alli so gstrebt uff gleichi Art glebt, was ’ne ovrtraut gwahrt, ner Gott ’s goffnbart! Eva Mayer-Bahl aus „Fei´roowed“ 1985 Franz Adam wurde am 06.05.1894 in Apatin als ältestes Kind von Adam Franz und König Maria geboren. Der Vater war von Beruf Zimmermann, konnte aber später aus gesundheitlichen Gründen seinen Beruf nicht mehr ausführen und eröffnete einen „Tante Emma Laden“. Franz Adam lernte den Beruf des Donaufischers und übte diesen über den größten Teil seiner Erwerbszeit aus. Zwischendurch gab es Zeiten, in denen er als Schiffssteuermann unterwegs war, so z.B. in den Jahren 1911./.1913; 1921./.1924 und 1934./.1944. Im Oktober 1914 wurde er zum Österreichisch-Ungarischen 23. Infanterieregiment eingezogen. Bereits im April 1915 kam er in russische Kriegsgefangenschaft, aus der er im …

Drei Leintücher als Andenken

  O O D E N K E Ich hab drei Leintiichr im Kaschte gfunne, die hot die Herschberger Nannibäsl gspunne. Schräg iwr die Gass, do war ich oft driwe. Als Oodenke sin die Tiichr gebliwe. Ich sig sie noch heint, wie sie spinnt un trett. Ich war an ihr ghonge, als wie a so Klett. ’s wäre ihre Haar schun un Auge vrbliche. Oft bin ich ganz haamlich zu ihre gschliche. Wenn sie jetz wißt, daß ich vun ‚re tu schreiwe, tat sie sichr widr sage: „Kind, du kannsch bleiwe.“ An ihre Fiiß hot sie ghat, die schwarzgstrickte Schuh. Ner’s Rädl hot gsurrt, awr schunscht war a Ruh. Ich hab in ihrem Garte die Paredeis derfe esse. Die Kindheit, die schee, kann halt koonr vrgesse. Eva Mayer-Bahl aus „Weitrleewe“ 1982 Herschberger Nannibäsl, geb. Gass Anna wurde 1865 in Apatin geboren und starb 1945 im Vernichtungslager Kruschiwl (Kruševlje – Serbien). Ich weiß nicht, ob sie dort verhungert ist (wurde), oder an Krankheit gestorben ist. Im Vernichtungslager Kruschiwl starben ca. 2500 Donauschwaben, denen vorher die Menschenrechte aberkannt wurden.

Wär‘ der letzte Feind zertreten, stünd‘ allein er am Planeten!

Peter Rosegger schrieb vor mehr als 100 Jahren das Gedicht: Leute gibt es allerlei. Dieses Gedicht ist dem Gedichtband Mein Lied (1911) entnommen. Er hat hier sehr eindrücklich dargestellt, wie Menschen zusammenleben sollten: Nicht einander jagen, schlagen, sondern mit Geduld ertragen Die österreichische Band STS hat dieses Lied 1993 stimmungsvoll musikalisch umgesetzt. Leute gibt es allerlei Auf der weiten Gotteswelt. Wem die Sache nicht gefällt, Wer da ausmarschiert, um jeden, So nicht sein ist, zu befehden, Der wird nimmermehr auf Erden Mit der Fehde fertig werden. Juden, Slaven, Atheisten, Welsche, Philosophen, Christen, Japanesen, Deutsche, Heiden, Und wie noch die Massen scheiden, Kasten, Sekten, Nationen, Die in Gottes Licht sich sonnen, Alles rollet hin und her Wie der Wellenschwall im Meer. Wie die Wässer und die Winde, Stürmisch hier und da gelinde, Ewig um den Erdball kreisen, So in den Naturgeleisen Wogt die Menschheit hin und wieder; Schranken, die du heute aufstellst, Brechen morgen krachend nieder. Güter, die durch Krieg errungen, Frieden, so durch Krieg erzwungen, Reifen neuerdings die Saaten Aus zu neuen Schreckenstaten. Nicht einander jagen, schlagen, Sondern mit Geduld ertragen …