Alle Artikel mit dem Schlagwort: Apatin

„Die Kinder von heute sind Tyrannen. Sie widersprechen ihren Eltern, kleckern mit dem Essen und ärgern ihre Lehrer“

Dieser Spruch ist nicht ganz neu. Er ist von Sokrates, der 470-399 v. Chr. lebte, also fast 2500 Jahre alt. Noch älter ist der Spruch auf einer Tontafel der alten Sumerer geschrieben etwa 3000 v. Chr.: Die Jugend achtet das Alter nicht mehr, zeigt bewusst ein ungepflegtes Aussehen, sinnt auf Umsturz, zeigt keine Lernbereitschaft und ist ablehnend gegen übernommene Werte. Es scheint ganz normal zu sein, dass seit Menschengedenken Differenzen zwischen der alten und der jungen Generation bestehen. Oft entsteht dabei nicht nur ein Spruch, sondern fast so etwas wie eine Klageschrift. Visitation der Apatiner Pfarrkirche 1766 (Auszug) Als Beispiel möchte ich einen Auszug aus der Visitation der Apatiner Pfarrkirche, vom 10. Juli 1766 hier abdrucken. Der Pfarrer und natürlich auch große Teile der Bevölkerung hatten große Schwierigkeiten mit dem Verhalten der Jugendlichen, bis endlich der Pfarrer eine Eingabe an den Erzbischof schrieb: …In Übereinstimmung mit obigem (Erzbischof) hat der Pfarrer es als seine vordringlichste Aufgabe erachtet, das ihm anvertraute Volk durch häufig wiederholte Ermahnungen darauf hinzuweisen, seine Feste würdiger, als dies bisher geschehen war, zu begehen. Zum …

Mauern aus Lehm – der Kalk hält sie zusammen

Beim Stöbern fand ich ein kleines Büchlein von 1954. Ein Gedicht davon gefiel mir besonders gut: Mein Elternhaus Die Mauern war’n gestampft aus Lehm und Erde, die Decke war mit Balken ausgelegt, das Dach aus Rohr — ein Feuer überm Herde, das von der Mutter sorgsam ward umhegt. So ist es schon vom Urahn hergekommen und blieb auch stehn, wie es vor Zeiten war. Im Frühjahr kamen Wasser hergeschwommen und brachten oft es, oft es in Gefahr. Doch es blieb stehn, gestützt von Mutters Händen; mit ihrer Sorge hielt sie ’s in Gewalt. Der Kalk saß faustdick schon auf allen Wänden und schien mir manchmal als sein einziger Halt. Wir Kinder zogen aus, doch von dem Dache stieg immer noch der silbergraue Rauch. Der Mutter Geist allein hielt treue Wache und alles blieb erhalten, wie es Brauch. Doch als der Krieg die Eltern fortgetrieben, da stand das Haus verlassen und allein; es war kein Sinn, kein Zweck ihm mehr geblieben, es fehlte Mutters Hand, es stürzte ein. Nun ist es noch ein wüster Trümmerhaufen, an …

Die besten Jahre – in der Gefangenschaft

DR DOONESCHWOB Wenn’s Schicksal ’n gschlage, hot koons ’n gheert klage. Er hot glei gwißt Bescheid, des vrplemprt ner Zeit. Mit Mut un mit Kraft, mr ehndr was schafft. So hot ‚r gedenkt, schiefes grad widr glenkt. Mit dr Händ repariert, mit Humor glei pariert. Unsr schwowischi Art, hot bis heint sich bewahrt. S henn alli so gstrebt uff gleichi Art glebt, was ’ne ovrtraut gwahrt, ner Gott ’s goffnbart! Eva Mayer-Bahl aus „Fei´roowed“ 1985 Franz Adam wurde am 06.05.1894 in Apatin als ältestes Kind von Adam Franz und König Maria geboren. Der Vater war von Beruf Zimmermann, konnte aber später aus gesundheitlichen Gründen seinen Beruf nicht mehr ausführen und eröffnete einen „Tante Emma Laden“. Franz Adam lernte den Beruf des Donaufischers und übte diesen über den größten Teil seiner Erwerbszeit aus. Zwischendurch gab es Zeiten, in denen er als Schiffssteuermann unterwegs war, so z.B. in den Jahren 1911./.1913; 1921./.1924 und 1934./.1944. Im Oktober 1914 wurde er zum Österreichisch-Ungarischen 23. Infanterieregiment eingezogen. Bereits im April 1915 kam er in russische Kriegsgefangenschaft, aus der er im …

Drei Leintücher als Andenken

  O O D E N K E Ich hab drei Leintiichr im Kaschte gfunne, die hot die Herschberger Nannibäsl gspunne. Schräg iwr die Gass, do war ich oft driwe. Als Oodenke sin die Tiichr gebliwe. Ich sig sie noch heint, wie sie spinnt un trett. Ich war an ihr ghonge, als wie a so Klett. ’s wäre ihre Haar schun un Auge vrbliche. Oft bin ich ganz haamlich zu ihre gschliche. Wenn sie jetz wißt, daß ich vun ‚re tu schreiwe, tat sie sichr widr sage: „Kind, du kannsch bleiwe.“ An ihre Fiiß hot sie ghat, die schwarzgstrickte Schuh. Ner’s Rädl hot gsurrt, awr schunscht war a Ruh. Ich hab in ihrem Garte die Paredeis derfe esse. Die Kindheit, die schee, kann halt koonr vrgesse. Eva Mayer-Bahl aus „Weitrleewe“ 1982 Herschberger Nannibäsl, geb. Gass Anna wurde 1865 in Apatin geboren und starb 1945 im Vernichtungslager Kruschiwl (Kruševlje – Serbien). Ich weiß nicht, ob sie dort verhungert ist (wurde), oder an Krankheit gestorben ist. Im Vernichtungslager Kruschiwl starben ca. 2500 Donauschwaben, denen vorher die Menschenrechte aberkannt wurden.