Alle Artikel in: Familienforschung

Unsere Eltern und Großeltern waren in Lagern untergebracht

Vieles hört und ließt man über Flüchtlingslager. Oft klingt es nicht gut. Lager sind keine Erfindung der Gegenwart, sondern es gab sie zu allen Zeiten. Lager, in denen Menschen untergebracht waren, die aus ihrer Heimat vertrieben wurden, bzw. dort flüchten mussten, weil sie sonst aus ethnischen Gründen umgebracht worden wären. Am Ende des letzten Krieges kamen Millionen von Flüchtlingen aus dem Osten Europas. Deutsche, die wegen ihrer Nationalität ihre Heimat verlassen mussten und in Deutschland erstmal in Lagern leben mussten. Eines dieser Lager, in dem Donauschwaben – hauptsächlich Menschen aus Tscherwenka – untergebracht waren, war Das Impler-Lager in München (1944 – 1955) Es entstand im Jahre 1944 auf städtischem Grund an der Implerstraße aus einem vorhande­nen Barackenlager, das ausgebaut und erweitert wurde auf eine Aufnahmekapazität von ca. 400 Personen. Davon waren etwa 85% Tscherwenkaer. Man schätzt, dass bis zu dessen Auflösung im Jahre 1955 rund 800 Tscherwenkaer das Lager passiert haben. Die Verwaltung lag in Händen des städtischen Flüchtlingsamtes, die Leitung hatte der städtische Ange­stellte Herr Schießl, und Lagerobmann war unser Tscherwenkaer Landsmann Daniel Walter. …

Kirchengeländer von Gottfried Preussger

Ein sächsisch-böhmisches Handwerksgenie in Schönlinde

Wie wird ein Handwerksmeister posthum zu einer überregionalen Berühmtheit? Die Antwort ist einfach – er hat zu Lebzeiten Besonderes geleistet. Dies reicht normalerweise nicht dazu, dass er dann auch noch in einem Geschichtsbuch verewigt wird. Dazu braucht es dann noch ein paar andere Zutaten: Gottfried Preußger, ein Schlossermeister wie er im Geschichtsbuch steht. Ihm wurde ein kleines Kapitel in einem Geschichtsbuch für Gymnasien gewidmet. Ein grenzüberschreitendes Projekt, durchgeführt von den beiden Universitäten Univerzita Jana Evangelisty PURKYNÉ (UJEP) in Usti nad Labem und der Technische Universität Dresden. Zielsetzung: Ausgehend von der Überzeugung, dass Kenntnisse über die gemeinsame Geschichte von Sachsen und Böhmen notwendig sind und immer neu vermittelt werden müssen, um das Verständnis von und zwischen den beiden Ländern zu verbessern, werden Wissenschaftler der TU Dresden und der Universität Jana Evangelisty PURKYNÉ gemeinsam Geschichtsbücher für Schulen erarbeiten, die als zusätzliches Lehrmaterial in Sachsen und Böhmen Verwendung finden sollen. Zur Zeit wird das Geschichtsbuch auf seine didaktische Brauchbarkeit geprüft. Es wurde an 8 Gymnasien in Sachsen und Böhmen testweise eingeführt. Gottfried Preußger wird im Buch als Beispiel dafür angeführt, …

Alte Bilder können Geschichten erzählen

Ein nettes altes Bild. 6 cm x 9 cm Ich fand es in einer Fotoschachtel meiner Großmutter, die in einem Schrank meiner Mutter lag. Beide sind schon vor vielen vielen Jahren gestorben. Unter diesen Bildern sind sehr viele Fotos mit Menschen, die mir leider nicht bekannt sind. Es gibt auch niemanden sonst mehr, den man fragen könnte, wer denn auf diesen Bildern zu sehen ist. So ziemlich jeder kennt dieses Problem. Eine oder mehrere Kisten voll Bilder und keiner weiß, wer drauf ist. Die Rückseite sieht dann manchmal so aus, wie auf meinem Foto: Die Beschriftung, sehr verblasst und nur mit einem Vergrößerungsglas erkennbar: 1 Mann 2 Buben 1 Mädchen Kleberreste zeigen, dass das Foto wohl mal in einem Album klebte und somit für jemand wichtig war. Einen Wert für die Nachfolgegenerationen stellen Fotos nur dann dar, wenn klar ist, wer oder was darauf dargestellt ist. Deshalb sollten Fotos, die einem wichtig erscheinen, ausführlich beschriftet werden, am Besten in einem Album. Im Lauf der Generationen verteilt sich die Nachkommenschaft und häufig nimmt man sich nicht die Zeit, …

Männerbild – eine „gute“ Beschreibung

Hin und wieder muss ich in alten Kisten kramen. Da tauchen dann Bilder auf, die man noch gar nicht, oder schon sehr lange nicht mehr gesehen hat. Eines dieser Bilder sieht so aus wie oben Auf der Rückseite steht – Männerbild – hmm, besser kann man das Bild eigentlich gar nicht beschreiben. Leider ist die dargestellte Generation bereits längere Zeit verstorben, auch die Generation der Kinder lebt schon zum großen Teil nicht mehr. Sollte jemand zufällig einen der Männer erkennen, freue ich mich über eine entsprechende Info. Das Bild wurde vermutlich vor dem 2. WK in Tscherwenka aufgenommen.

Die besten Jahre – in der Gefangenschaft

DR DOONESCHWOB Wenn’s Schicksal ’n gschlage, hot koons ’n gheert klage. Er hot glei gwißt Bescheid, des vrplemprt ner Zeit. Mit Mut un mit Kraft, mr ehndr was schafft. So hot ‚r gedenkt, schiefes grad widr glenkt. Mit dr Händ repariert, mit Humor glei pariert. Unsr schwowischi Art, hot bis heint sich bewahrt. S henn alli so gstrebt uff gleichi Art glebt, was ’ne ovrtraut gwahrt, ner Gott ’s goffnbart! Eva Mayer-Bahl aus „Fei´roowed“ 1985 Franz Adam wurde am 06.05.1894 in Apatin als ältestes Kind von Adam Franz und König Maria geboren. Der Vater war von Beruf Zimmermann, konnte aber später aus gesundheitlichen Gründen seinen Beruf nicht mehr ausführen und eröffnete einen „Tante Emma Laden“. Franz Adam lernte den Beruf des Donaufischers und übte diesen über den größten Teil seiner Erwerbszeit aus. Zwischendurch gab es Zeiten, in denen er als Schiffssteuermann unterwegs war, so z.B. in den Jahren 1911./.1913; 1921./.1924 und 1934./.1944. Im Oktober 1914 wurde er zum Österreichisch-Ungarischen 23. Infanterieregiment eingezogen. Bereits im April 1915 kam er in russische Kriegsgefangenschaft, aus der er im …

Gasthof zum Hemmschuh – Rumburg

Obige Aufnahme erhielt ich Anfang November im Museum in Rumburg. Derzeit findet dort eine Ausstellung über das Leben in Rumburg vor dem Krieg statt. Der Gasthof zum Hemmschuh stand vor dem Krieg in der Schönlinderstraße 31 und wurde leider 1946 aus unbekannten Gründen abgerissen. Das Grundstück blieb unbebaut und ist heute noch eine Wiese. Früher hatte das Gebäude die Hausnummer Rumburg 286 und man findet in den Kirchenbüchern Einträge unter dieser Hausnummer, so lange die Pfarrer Hausnummern eingetragen haben. Das „neue“ Gebäude, der Gasthof zum Hemmschuh, wurde lt. Herrn Matthes von der Stiftung Umgebindehaus zwischen 1830 und 1840 errichtet. Darauf deuten laut seiner Aussage verschiedene Merkmale hin: der Korbbogentürsturz, die bereits sehr großen Fenster im OG das Krüppelwalmdach mit der geringen Dachneigung die klassizistisch durchgestaltete Straßenfront im EG Franz Effenberger starb 1806 im Haus Nr. 286. Der Pfarrer trug als Beruf „Weber und Handelsmann“ in das Sterberegister ein. Dies ist der erste Hinweis darauf, dass im Haus Nr. 286 Handel getrieben wurde. Bis zum Abriss 1946 beherbergte das Gebäude einen Laden, in dem alles verkauft wurde, was …

Der Schwerdahof

 „Sie sind viel zu spät dran…“, so begrüßte mich die zuständige Dame für den Ort Hlinay, als ich meine Anfrage nach dem Schwerdahof per Email an sie stellte. Doch zurück zum „Anfang“: Meine Frau ist eine geborene Schwerda. Irgendwann vor Jahren erfuhren wir beiläufig aus der Verwandtschaft, dass es in Böhmen einen Schwerdahof gibt, aus dem die böhmischen Schwerda abstammen. Eigentlich hat sich ja niemand dafür interessiert, so verschwand dieses Wissen wieder in der Versenkung. Nach dem Tod meiner Schwiegermutter waren alle „Beziehungen“ zum Böhmischen erst mal ebenfalls gestorben. Über den Nachlass tauchten dann doch immer wieder Fragen zur Familiengeschichte auf. Eine Frage, die sehr bald drängender wurde war eben die Frage nach dem Schwerdahof. In welcher Gegend ist er? Gibt es ihn noch? Wie sieht er aus? Kann man dorthin? Aus der Verwandtschaft waren leider keinerlei Informationen zu erhalten. Auch die entsprechenden Heimatvereine etc. kannten keinen Schwerdahof. Um es vorwegzunehmen: Wir erfuhren, wo der Schwerdahof ist, fuhren dort hin und lernten auch den derzeitigen Eigentümer kennen, der uns auch gestattete das Haus anzusehen und …