Alle Artikel in: Apatin

„Die Kinder von heute sind Tyrannen. Sie widersprechen ihren Eltern, kleckern mit dem Essen und ärgern ihre Lehrer“

Dieser Spruch ist nicht ganz neu. Er ist von Sokrates, der 470-399 v. Chr. lebte, also fast 2500 Jahre alt. Noch älter ist der Spruch auf einer Tontafel der alten Sumerer geschrieben etwa 3000 v. Chr.: Die Jugend achtet das Alter nicht mehr, zeigt bewusst ein ungepflegtes Aussehen, sinnt auf Umsturz, zeigt keine Lernbereitschaft und ist ablehnend gegen übernommene Werte. Es scheint ganz normal zu sein, dass seit Menschengedenken Differenzen zwischen der alten und der jungen Generation bestehen. Oft entsteht dabei nicht nur ein Spruch, sondern fast so etwas wie eine Klageschrift. Visitation der Apatiner Pfarrkirche 1766 (Auszug) Als Beispiel möchte ich einen Auszug aus der Visitation der Apatiner Pfarrkirche, vom 10. Juli 1766 hier abdrucken. Der Pfarrer und natürlich auch große Teile der Bevölkerung hatten große Schwierigkeiten mit dem Verhalten der Jugendlichen, bis endlich der Pfarrer eine Eingabe an den Erzbischof schrieb: …In Übereinstimmung mit obigem (Erzbischof) hat der Pfarrer es als seine vordringlichste Aufgabe erachtet, das ihm anvertraute Volk durch häufig wiederholte Ermahnungen darauf hinzuweisen, seine Feste würdiger, als dies bisher geschehen war, zu begehen. Zum …

Aus der Vergangenheit – in die Zukunft – für den Frieden

Aus der Vergangenheit – in die Zukunft – für den Frieden 70 Jahre nach dem Krieg beginnt die Kultur der Donauschwaben zu verblassen. Die Erlebnisgenerationen verschwindet nach und nach. Die Nachkriegsgenerationen sind in Deutschland, Österreich, USA, Australien oder auch woanders aufgewachsen und wissen nur wenig über die Lebensweise ihrer Eltern, Großeltern und die Region in der die Vorfahren lebten. Ein wichtiges und ehrgeiziges Projekt wird in Apatin, einer ehemals donauschwäbischen Stadt in der Wojwodina/Serbien realisiert. Von deutschen Handwerkern und Künstlern hergestellte Kultur- und Kunstgegenstände aus der ganzen Wojwodina werden in Apatin gesammelt und ausgestellt. Zu diesem Zweck wurde am 23.07.2014 in Apatin das Donauschwäbisches Kirchenmuseum – Podunavsko Nemački crkveni muzej Apatin eröffnet. Als Gebäude dafür dient die Untere Kirche, die Herz-Jesu-Kirche in Apatin. Die Herz-Jesu-Kirche wurde am 23. Juni 1933 eingeweiht. Sie wurde gebaut, weil die Gemeinde in Apatin so groß wurde, dass ein zweites Gotteshaus erforderlich war. Nach 1945 wurde die Kirche nicht mehr genutzt und drohte, wie so viele Kirchen in der Batschka nach und nach zu verfallen. Boris Masic ein Apatiner, der die Erinnerung …

Mauern aus Lehm – der Kalk hält sie zusammen

Beim Stöbern fand ich ein kleines Büchlein von 1954. Ein Gedicht davon gefiel mir besonders gut: Mein Elternhaus Die Mauern war’n gestampft aus Lehm und Erde, die Decke war mit Balken ausgelegt, das Dach aus Rohr — ein Feuer überm Herde, das von der Mutter sorgsam ward umhegt. So ist es schon vom Urahn hergekommen und blieb auch stehn, wie es vor Zeiten war. Im Frühjahr kamen Wasser hergeschwommen und brachten oft es, oft es in Gefahr. Doch es blieb stehn, gestützt von Mutters Händen; mit ihrer Sorge hielt sie ’s in Gewalt. Der Kalk saß faustdick schon auf allen Wänden und schien mir manchmal als sein einziger Halt. Wir Kinder zogen aus, doch von dem Dache stieg immer noch der silbergraue Rauch. Der Mutter Geist allein hielt treue Wache und alles blieb erhalten, wie es Brauch. Doch als der Krieg die Eltern fortgetrieben, da stand das Haus verlassen und allein; es war kein Sinn, kein Zweck ihm mehr geblieben, es fehlte Mutters Hand, es stürzte ein. Nun ist es noch ein wüster Trümmerhaufen, an …