Geschichte und Gegenwart
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Wär‘ der letzte Feind zertreten, stünd‘ allein er am Planeten!

Peter Rosegger schrieb vor mehr als 100 Jahren das Gedicht: Leute gibt es allerlei. Dieses Gedicht ist dem Gedichtband Mein Lied (1911) entnommen. Er hat hier sehr eindrücklich dargestellt, wie Menschen zusammenleben sollten:

Nicht einander jagen, schlagen, sondern mit Geduld ertragen

Die österreichische Band STS hat dieses Lied 1993 stimmungsvoll musikalisch umgesetzt.

rosegger

Leute gibt es allerlei
Auf der weiten Gotteswelt.
Wem die Sache nicht gefällt,
Wer da ausmarschiert, um jeden,
So nicht sein ist, zu befehden,
Der wird nimmermehr auf Erden
Mit der Fehde fertig werden.

Juden, Slaven, Atheisten,
Welsche, Philosophen, Christen,
Japanesen, Deutsche, Heiden,
Und wie noch die Massen scheiden,
Kasten, Sekten, Nationen,
Die in Gottes Licht sich sonnen,
Alles rollet hin und her
Wie der Wellenschwall im Meer.

Wie die Wässer und die Winde,
Stürmisch hier und da gelinde,
Ewig um den Erdball kreisen,
So in den Naturgeleisen
Wogt die Menschheit hin und wieder;
Schranken, die du heute aufstellst,
Brechen morgen krachend nieder.

Güter, die durch Krieg errungen,
Frieden, so durch Krieg erzwungen,
Reifen neuerdings die Saaten
Aus zu neuen Schreckenstaten.
Nicht einander jagen, schlagen,
Sondern mit Geduld ertragen
Nach dem Rate der Natur,
Ist das Omega und Alpha
Aller Bildung und Kultur.

Wer da ausmarschiert, um jeden
Fremdgesinnten zu befehden,
Der wird nimmermehr auf Erden
Mit der Fehde fertigwerden.
Wär‘ der letzte Feind zertreten,
Müsste er sich selber töten
Als den Rest auf dem Planeten.

Wär‘ der letzte Feind zertreten,
Stünd‘ allein er am Planeten!

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