Monate: Januar 2015

Drei Leintücher als Andenken

  O O D E N K E Ich hab drei Leintiichr im Kaschte gfunne, die hot die Herschberger Nannibäsl gspunne. Schräg iwr die Gass, do war ich oft driwe. Als Oodenke sin die Tiichr gebliwe. Ich sig sie noch heint, wie sie spinnt un trett. Ich war an ihr ghonge, als wie a so Klett. ’s wäre ihre Haar schun un Auge vrbliche. Oft bin ich ganz haamlich zu ihre gschliche. Wenn sie jetz wißt, daß ich vun ‚re tu schreiwe, tat sie sichr widr sage: „Kind, du kannsch bleiwe.“ An ihre Fiiß hot sie ghat, die schwarzgstrickte Schuh. Ner’s Rädl hot gsurrt, awr schunscht war a Ruh. Ich hab in ihrem Garte die Paredeis derfe esse. Die Kindheit, die schee, kann halt koonr vrgesse. Eva Mayer-Bahl aus „Weitrleewe“ 1982 Herschberger Nannibäsl, geb. Gass Anna wurde 1865 in Apatin geboren und starb 1945 im Vernichtungslager Kruschiwl (Kruševlje – Serbien). Ich weiß nicht, ob sie dort verhungert ist (wurde), oder an Krankheit gestorben ist. Im Vernichtungslager Kruschiwl starben ca. 2500 Donauschwaben, denen vorher die Menschenrechte aberkannt wurden.

Wär‘ der letzte Feind zertreten, stünd‘ allein er am Planeten!

Peter Rosegger schrieb vor mehr als 100 Jahren das Gedicht: Leute gibt es allerlei. Dieses Gedicht ist dem Gedichtband Mein Lied (1911) entnommen. Er hat hier sehr eindrücklich dargestellt, wie Menschen zusammenleben sollten: Nicht einander jagen, schlagen, sondern mit Geduld ertragen Die österreichische Band STS hat dieses Lied 1993 stimmungsvoll musikalisch umgesetzt. Leute gibt es allerlei Auf der weiten Gotteswelt. Wem die Sache nicht gefällt, Wer da ausmarschiert, um jeden, So nicht sein ist, zu befehden, Der wird nimmermehr auf Erden Mit der Fehde fertig werden. Juden, Slaven, Atheisten, Welsche, Philosophen, Christen, Japanesen, Deutsche, Heiden, Und wie noch die Massen scheiden, Kasten, Sekten, Nationen, Die in Gottes Licht sich sonnen, Alles rollet hin und her Wie der Wellenschwall im Meer. Wie die Wässer und die Winde, Stürmisch hier und da gelinde, Ewig um den Erdball kreisen, So in den Naturgeleisen Wogt die Menschheit hin und wieder; Schranken, die du heute aufstellst, Brechen morgen krachend nieder. Güter, die durch Krieg errungen, Frieden, so durch Krieg erzwungen, Reifen neuerdings die Saaten Aus zu neuen Schreckenstaten. Nicht einander jagen, schlagen, Sondern mit Geduld ertragen …